ROUTE 8

Von der Insel Reichenau nach Steingaden

Auf unserer letzten Route ganz im Süden Deutschlands erkunden wir Welterbe am Wasser und in den Bergen. Wir besuchen eine Insel im Bodensee, ein archäologisches Unterwasserdenkmal und eine kleine Kirche, die zu einer Ikone der Kunstgeschichte wurde.

Wir beginnen unsere Reise aber auf der größten Insel im Bodensee, der Insel Reichenau. Auf der grünen Insel gründete der Heilige Pirmin, ein christlicher Missionar, im 8. Jahrhundert ein Benediktinerkloster, das sich in den folgenden 300 Jahren zu einem der mächtigsten Klöster im süddeutschen Raum entwickelte. Als Zeugnis seiner gewichtigen religiösen und kulturellen Rolle im Mittelalter ist das Ensemble Klosterinsel Reichenau seit dem Jahr 2000 Welterbe.

Zum Welterbe gehören die drei romanischen Kirchen der Insel. Das Münster St. Maria und Markus in Reichenau-Mittelzell ist dabei die größte und älteste Kirche. In St. Peter und Paul in Reichenau-Niederzell hinterließen die Benediktinermönche auch kunsthistorische Schätze. Die monumentalen Wandmalereien im Altarraum der Kirche stammen aus dem 12. Jahrhundert. Noch älter sind die Wandmalereien der Kirche St. Georg in Reichenau-Oberzell: Sie sind nördlich der Alpen das einzig erhaltene Beispiel einer vollständigen Kirchenausmalung aus dem 10. Jahrhundert!

An unserem nächsten Ziel befindet sich ein Weltkulturerbe unter Wasser: die Prähistorischen Pfahlbauten in Unteruhldingen am Bodensee. Holzpfähle im Wasser zeugen von Häusern, die aufgebockt im See standen. Diese spezielle Bauart von Häusern war eine frühe Siedlungsform in Europa, sie bot den Menschen Schutz vor Feinden und Raubtieren. Das Pfahldorf in Unteruhldingen gilt dabei als bedeutende befestigte Siedlung aus der Zeit zwischen 1300 und 800 vor Christus, der späten Bronzezeit. Nach archäologischen Grabungen rekonstruierte man ab 1922 einige der Pfahlhäuser. Heute geben sie einen Einblick in das vor- und frühgeschichtliche Dorfleben am Bodensee. In Baden-Württemberg und Bayern zählen seit 2011 weitere 17 Pfahlbau-Fundstellen zum insgesamt 111 Fundstellen umfassenden grenzüberschreitenden Welterbe Prähistorische Pfahlbauten.

Nahe des Ortes Steingaden, etwa 150 Kilometer östlich vom Bodensee, endet unsere achte und letzte Route zum Welterbe in Deutschland. Vor dem Panorama der Alpen erhebt sich hier inmitten grüner Wiesen die Wieskirche. Die barocke Wallfahrtskirche, in der immer noch Gottesdienste stattfinden, gehört seit 1983 zum Welterbe. Entstanden ist sie ab 1745 im Auftrag des Klosters Steingaden. Unerreicht in Feinheit und Reichtum sind im Inneren der Kirche die vergoldeten festlichen Girlanden aus Stuck. Heiter und vor allem weltberühmt ist das Deckengemälde in der Kirchenkuppel, das den ellipsenförmigen Kirchenraum krönt. Die Wieskirche gilt heute als Inbegriff des bayerischen Rokoko. Der junge Abt Marinus, der die Kirche in Auftrag gegeben hatte, befand: „An diesem Ort wohnt das Glück, hier findet das Herz seine Ruh.“