Acht Fragen an…

Egon Schallmayer, Direktor Saalburgmuseum

Ich besuche das Welterbe Limes: Was darf ich auf keinen Fall verpassen?

Im Grunde darf man gar nichts verpassen von dem, was die Saalburg bietet. Weder die einzelnen Bauteile der wieder aufgebauten Burganlage noch das vielfältige museumspädagogische Angebot oder die landschaftliche Umgebung auf den Taunushöhen.

Was gefällt Ihnen hier besonders gut?

Als besonders schön empfinde ich die Einbindung der Burganlage in die Landschaft der Umgebung und das Flair, das von den einzelnen Bauten und der Gesamtanlage ausgeht. Darüber hinaus faszinieren mich die vielen Begegnungen mit Menschen, die sich hier in der Saalburg für die Geschichte im Allgemeinen und die Römische Antike im Besonderen interessieren.

Haben Sie einen Geheimtipp?

Es gibt eine ganze Reihe von Geheimtipps: Sonderführungen unter einem speziellen Thema, zum Beispiel zum antiken Götterkult oder zur archäologischen Forschungsgeschichte der Saalburg. Sehr zu empfehlen sind auch die Familientage, die zum Entdecken und Mitmachen einladen. Oder eine Abendführung bei warmem Wetter - aber auch, wenn es knackig kalt ist.

Was hat Sie bei Ihrem ersten Besuch beeindruckt?

Beim ersten Besuch der Saalburg haben mich vor allem das Haupttor und die Wehrmauer beeindruckt, die ganz unvermittelt aus dem Wald hervortreten. Darüber hinaus faszinieren mich bis heute die großen Bauten im Inneren der Burg wie das Stabsgebäude oder die Getreidespeicher. Dank der unzähligen römischen Funde aus Metall, Keramik, Knochen oder Holz konnte ich mir an diesem Ort die Antike mit fast allen Sinnen erschließen. Dieser erste Eindruck war so nachhaltig, dass ich mich mein ganzes Berufsleben mit Archäologie und vor allem mit der römischen Geschichte beschäftigt habe. Historie so eingebettet in die Natur zu finden, etwas abseits der geschäftigen Alltagswelt, das ist für mich etwas ganz Besonderes.

In welcher Jahreszeit ist es hier am schönsten?

Im Herbst die Farbenpracht des archäologischen Parks mit seinen verschiedenen Baum- und Straucharten, im Frühling das beginnende Blühen oder im Winter eine Schneewanderung rund um die römische Anlage – alles hat seinen ganz eigenen Reiz und Charme.

Was sollte ich mir hier sonst noch ansehen?

Neben der Kastellanlage sollte man unbedingt einmal unmittelbar am Limes eine Strecke abwandern. Aber auch die Landschaft rund um die Burg, der Hessenpark, der zu Füßen der Saalburg liegt, sowie die Fachwerkhäuser der alten Kurstadt Bad Homburg sind einen Besuch wert.

Welterbe macht hungrig. Welche regionale Spezialität sollte ich probieren?

Die Spezialitäten in Hessen sind Grüne Soße, Apfelwein und Handkäse mit Musik, ein Käse mit einer Marinade aus Zwiebeln, Kümmel, Essig und Öl. Da die Saalburg einst zum Imperium Romanum gehörte, gibt es dort übrigens auch Speisen nach römischem Rezept.

Und welches Welterbe würden Sie gerne mal besuchen?

Den Mausoleumsbau Taj Mahal in Indien.

Egon Schallmayer

gilt als einer der renommiertesten Kenner im Bereich der Limesforschung.

Der 1951 in Ober-Roden geborene Professor für Archäologie hat im Laufe seines Berufslebens zahlreiche archäologische Grabungen geleitet. Von 1995 bis 2013 war er Direktor des Saalburgmuseums in Bad Homburg, einem archäologischen Museum in einem ehemaligen Grenzkastell des Obergermanisch-Rätischen Limes.