Acht Fragen an…

Nicole Krebs, Mitarbeiterin Kulturstiftung Dessau-Wörlitz

Ich besuche das Welterbe Dessau-Wörlitz: Was darf ich auf keinen Fall verpassen?

Auf keinen Fall verpassen darf man den Wörlitzer Park. Er ist der gestalterische Höhepunkt von Dessau-Wörlitz. Von hier aus ließ Fürst Franz von Anhalt-Dessau im 18. Jahrhundert die sogenannte Landesverschönerung beginnen, die sein gesamtes kleines Fürstentum umfasste. Im Ergebnis entstand ein wahres Gartenreich. Auf weit verzweigten Wegen kann man an jeder Biegung eine Besonderheit entdecken: Brücken, Skulpturen, botanische Raritäten, kilometerlange Sichtachsen. Die Insel Stein mit dem einzigen künstlichen Vulkan Europas, ihren Grotten, Gängen und der Villa Hamilton ist ein besonders skurriles Bauwerk. Im Wörlitzer Park kann also jedermann auf seine Kosten kommen – ob man erholungsbedürftig oder bildungshungrig ist.

Was gefällt Ihnen hier besonders gut?

Was mich bis heute fasziniert, ist die Vielfältigkeit und Vieldeutigkeit des Gartenreichs Dessau-Wörlitz. So spiegelt die gesamte Anlage die ökonomischen, politischen und sozialen Ideen und Reformbemühungen ihrer Zeit. Hier gibt es historische Schlösser und Gärten von Weltrang, die in eine unglaublich schöne und weite Flusslandschaft eingebettet sind. Einflüsse aus England, Holland, Italien, China und vielen weiteren Ländern dieser Erde sind hier auf engstem Raum zu erleben. Am besten lässt sich diese Vielfalt mit dem Fahrrad erkunden, denn die einzelnen Parkanlagen sind durch ein gut ausgebautes Radwegenetz miteinander verbunden. So bekommt man den besten Eindruck von den gewaltigen Dimensionen.

Haben Sie einen Geheimtipp?

Schloss und Park Luisium sind mein Geheimtipp. Dieser zauberhafte Landschaftsgarten mit seinem klassizistischen Schlösschen gehört auch zum Welterbe Dessau-Wörlitz und war der Rückzugsort der Fürstin Louise von Anhalt-Dessau. Das Schloss mit den kleinen Kabinetten, feinen Stuckdekorationen und Wandmalereien und dem prachtvollen Festsaal gilt als Tempel der weiblichen Tugenden. Der 14 Hektar große Park hat mit seinen Bauwerken, einer seltenen Pflanzen- und Tierwelt sowie herrlichen Ausblicken in die umgebende Landschaft Großartiges zu bieten. Die friedlich grasende Viehherde am benachbarten ehemaligen Gestüt verstärkt die idyllische Atmosphäre im Park.

Was hat Sie bei Ihrem ersten Besuch beeindruckt?

Bei meinem ersten Besuch bin ich noch ein Kind gewesen. Die Pfauen, die in der Nähe des Gotischen Hauses in Wörlitz ihre prächtigen Federfächer präsentierten, haben mich nachhaltig beeindruckt. Auch heute noch können die Besucher in Wörlitz diese farbenprächtigen Tiere beobachten.

In welcher Jahreszeit ist es hier am schönsten?

Der Wechsel der Jahreszeiten zaubert in den Gärten immer wieder neue Reize hervor: Die erwachende Natur im Frühling lockt mit vielen verschiedenen Frühblühern und leuchtenden Obstbäumen auf den Wiesen und an den Alleen. Der Sommer bietet vielfältigste Grüntöne, angenehm temperierte Schlösser und lädt zu entspannten Gondelfahrten ein. Im Herbst kann man sich an den leuchtend rot, gelb und orange gefärbten Blättern kaum satt sehen, und im Winter geht der Besucher in eisiger und friedlicher Stille beinahe allein durch die Gärten spazieren.

Was sollte ich mir hier sonst noch ansehen?

In Sachsen-Anhalt befinden sich im Umkreis von nur 35 Kilometern gleich drei UNESCO-Welterbestätten und ein UNESCO-Schutzgebiet: die Luthergedenkstätten in der Lutherstadt Wittenberg, das Bauhaus und die Meisterhäuser in Dessau, das Gartenreich Dessau-Wörlitz sowie das Biosphärenreservat Mittelelbe. Diese Nähe sollte man natürlich nutzen.

Welterbe macht hungrig. Welche regionale Spezialität sollte ich probieren?

Im Frühling: Zerbster Spargel und Wildschinken.

Und welches Welterbe würden Sie gerne mal besuchen?

Da kann ich mich gar nicht festlegen.

Nicole Krebs

ist seit 2004 für die Kommunikationsabteilung der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz tätig.

In den Schlössern und Gärten des Gartenreichs Dessau-Wörlitz kümmert sich die Verwaltungswissenschaftlerin unter anderem um die Planung und Ausführung von Vorträgen, Konzerten und einer ganzen Reihe von Sonderveranstaltungen – bis hin zum künstlichen Vulkanausbruch.