Acht Fragen an…

Lothar Meyer-Mertel, Tourismusmanager der Stadt Hildesheim

Ich besuche das Welterbe Hildesheim: Was darf ich auf keinen Fall verpassen?

In Hildesheim ist das Welterbe zwischen Dom und Michaeliskirche aufgeteilt und bezieht sich im Wesentlichen auf die Deckenmalerei von St. Michaelis und die Bronze- und Metallarbeiten im Mariendom. Das muss man natürlich gesehen haben, wenn man davon erzählen will.

Was gefällt Ihnen hier besonders gut?

An der Bernwardsäule und an der Bernwardtür kann man sehr schön die Kunstfertigkeit der Hildesheimer Bronzegießer bewundern. Immerhin war die Methode, zur Herstellung solch dreidimensionaler Figuren, damals ein aus dem Orient mitgebrachtes und über Jahrhunderte streng gehütetes Geheimnis. Noch heute überrascht die Methode – wenn man denn rausbekommen hat, wie es funktioniert.

Haben Sie einen Geheimtipp?

Mein Tipp wäre, sich Zeit zu nehmen für das Geheimnis der St. Michaeliskirche. Es ist nämlich so, dass die Proportionen in dieser 1.000 Jahre alten Kirche einer übergeordneten Zahlensystematik folgen. Fachleute nehmen an, dass antike Harmonievorstellungen und musikalische Intervalle eine entscheidende Rolle spielten. Es ist spannend, beim Abzählen von Säulen, Zwischenräumen, Fensterfolgen und Raumproportionen immer wieder neue logische Zahlenverhältnisse zu erkennen. Man hat das Gefühl, an einem ganz besonders harmonischen Ort zu sein.

Was hat Sie bei Ihrem ersten Besuch beeindruckt?

Ich war schon vor vielen Jahren als Student öfters in Hildesheim. Damals wie heute hat mich die ägyptische Sammlung des Roemer- und Pelizaeus-Museums beeindruckt. Es ist eine der größten Sammlungen dieser Art in Deutschland.

In welcher Jahreszeit ist es hier am schönsten?

Eine Besonderheit im Hildesheimer Welterbe ist die 1.000-jährige Rose, die an der Ostapsis der Welterbekirche Mariendom im Innenhof rankt. Der Legende nach hat Ludwig der Fromme 815 hier an diesem Rosenstock das Bistum und damit die Stadt gegründet. Auch wenn die Rose biologisch vielleicht nicht mehr ganz dieselbe ist wie vor 1.200 Jahren, glauben die Hildesheimer doch fest daran, dass ihre Stadt besteht, solange es diese Rose gibt. Blühen tut sie jährlich nur für kurze Zeit, bevorzugt Ende Mai und Anfang Juni.

Was sollte ich mir hier sonst noch ansehen?

Den historischen Marktplatz sollte man gesehen haben. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde der Platz nach historischem Vorbild wieder hergestellt. Schöne Originalgebäude bietet noch das Godehardi-Viertel rund um die gleichnamige Kirche in der Neustadt, die aber in Hildesheim die Altstadt ist. Da gibt es manchen verträumten Winkel zu entdecken.

Welterbe macht hungrig. Welche regionale Spezialität sollte ich probieren?

Die niedersächsischen Hartwürste haben auch in Hildesheim ihre Liebhaber. Manch rustikales Haus bietet sie als typische Schlachteplatte an, wie etwa das Knochenhauer-Amtshaus direkt am Marktplatz. Wer es etwas feiner mag, findet im Restaurant Nil im Roemer- und Pelizaeus-Museum gutes Fleisch aus regionaler Produktion.

Und welches Welterbe würden Sie gerne mal besuchen?

Da sich mein Berufsleben schon seit Jahren um das Welterbe dreht, habe ich in Deutschland fast sämtliche Welterbestätten schon einmal besuchen können. Das einzige deutsche Welterbe, das ich noch nicht gesehen habe, sind die prähistorischen Pfahlbauten in den Alpen. Und dieses Welterbe geht über die Grenzen Deutschlands hinaus und umfasst weitere Pfahlbaufundstellen in Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz und Slowenien. Da gibt es also noch viel zu entdecken.

Lothar Meyer-Mertel

wird in der Welterbestadt Lübeck geboren.

Das Berufsleben führt den Kulturwissenschaftler unter anderem in die Welterbestadt Weimar. Heute arbeitet der Kommunikationsprofi als Tourismusmanager für die Welterbestadt Hildesheim. Eine seiner vielen Aufgaben: noch mehr Menschen für das Welterbe in Hildesheim interessieren.