Acht Fragen an…

Stefan Rhein, Direktor Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Ich besuche das Welterbe Wittenberg: Was darf ich auf keinen Fall verpassen?

Keine leichte Frage. Zu den Welterbestätten in Wittenberg gehören vier Gebäude: die Stadt- und die Schlosskirche, das Lutherhaus und das Melanchthonhaus. Alle vier Orte sind beeindruckend, und jeder für sich genommen ist einen Besuch wert. Auf gar keinen Fall verpassen sollte man die Schlosskirche mit der Thesentür und den Gräbern der beiden Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon. Eine ganz besondere Aura besitzt auch die Lutherstube im Lutherhaus, dem authentischen Ort von Luthers berühmten Tischgesprächen.

Was gefällt Ihnen hier besonders gut?

Wittenbergs Altstadt gleicht einem Freilichtmuseum. Hier hat Luther gelebt und gewirkt, durch diese Straßen ist er gegangen, diese Gebäude hat er gekannt. Diese historische Authentizität macht einen Besuch Wittenbergs zu einem besonderen Erlebnis. Übrigens nicht nur der Besuch: Ich wohne in Wittenberg und lebe gern hier!

Haben Sie einen Geheimtipp?

Mein Geheimtipp ist der Luthersbrunnen – unweit der Wittenberger Altstadt und nahe dem Elbufer gelegen. Hinter dem Namen verbirgt sich ein historisches Gebäude in der Dresdener Straße. In seinem Kellergewölbe befindet sich ein Brunnenschacht, der so schon zur Zeit der Reformation existierte – der Luthersbrunnen. Wie so viele Orte in und um Wittenberg soll Martin Luther auch diesen zusammen mit seinen Studenten besucht haben.

Was hat Sie bei Ihrem ersten Besuch beeindruckt?

Wenn ich an meinen ersten Besuch in Wittenberg im Jahr 1990 zurückdenke, beeindruckt mich jeden Tag aufs Neue die Entwicklung, die die Stadt seitdem genommen hat. Während meines Studiums habe ich zudem viele Stunden mit den Werken von Philipp Melanchthon verbracht. 1990 stand ich dann zum ersten Mal in jenem Raum, in dem Melanchthon, der große Gelehrte neben Martin Luther, all das geschrieben hat; das war umwerfend.

In welcher Jahreszeit ist es hier am schönsten?

Wittenberg hat zu jeder Jahreszeit seine Reize. Am schönsten finde ich die Stadt im Frühling. Im Lutherhof steht ein alter Magnolienbaum, der herrlich anzusehen ist, wenn er in voller Blüte steht.

Was sollte ich mir hier sonst noch ansehen?

Nicht nur Luther und die Reformation haben die Region geprägt. Mit dem Gartenreich Dessau-Wörlitz und dem Bauhaus Dessau gibt es noch zwei weitere Welterbestätten in unmittelbarer Nähe, die auf jeden Fall einen Besuch wert sind, fast fußläufig, entlang der Elbe.

Welterbe macht hungrig. Welche regionale Spezialität sollte ich probieren?

In Wittenberg „luthert“ es überall, sogar auf dem Gebiet des Kulinarischen: Ob Lutherbrot, Lutherkekse, Lutherbier oder Lutherwein, der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Hier einmal alles durchzuprobieren, kann ein besonderes Erlebnis sein.

Und welches Welterbe würden Sie gerne mal besuchen?

Gerne möchte ich mir einmal die Friedenskirchen in Świdnica und Jauer in Polen besuchen. Die Reformation hat nicht nur in Deutschland ihre Spuren hinterlassen.

Stefan Rhein

beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte und Gegenwart der Reformation.

Seit 1998 steht der Philologe an der Spitze der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Außerdem ist er Vorsitzender der Initiative „Wege zu Luther“, die Touristen auf die Spuren des Reformators locken will.