Acht Fragen an…

Lydia Struck, Kulturanthropologin und Mitarbeiterin im Führungsteam des Speicherstadtmuseums

Ich besuche das Welterbe Hamburg: Was darf ich auf keinen Fall verpassen?

Die Lage am Wasser, die vielen Brücken und prächtigen Backsteinbauten laden zu einem atmosphärischen Spaziergang durch das Welterbe Speicherstadt ein. Ein Besuch im Speicherstadtmuseum lohnt sich: Dort ist die Geschichte dieses einzigartigen Lagerhauskomplexes erfahrbar. Weitere Museen sowie Teppichlager, Kaffeeröster, Ausstellungen und Cafés machen den Gang in Richtung des nahe gelegenen Kontorhausviertels mit Chilehaus zu einem abgerundeten Erlebnis.

Was gefällt Ihnen hier besonders gut?

Vielleicht liegt es an der Insellage, dass die Menschen sehr freundlich sind. Arbeitsort und Freizeitort sind hier miteinander verflochten und führen zu immer neuen Begegnungen. Die Übergänge von der Innenstadt zur Speicherstadt und HafenCity, die Kontraste zwischen Alt und Neu faszinieren. Die pure Entspannung ist bei einer Hafenrundfahrt zu finden, die man auch vom Binnenhafen aus starten kann.

Haben Sie einen Geheimtipp?

An einem heißen Tag lässt es sich gut auf einem der Hinterhöfe aushalten. In der Speicherstadt gibt es nur einen, den Sandtorquaihof. Er bietet einen schönen Ausblick aus dem ältesten Teil der Speicherstadt in Richtung des zweiten und dritten Bauabschnitts. Im Kontorhausviertel sind weitere Höfe. Im Innenhof des Kontorhauses Sprinkenhof befinden sich auch Restaurants. Der Sprinkenhof hat übrigens auch beeindruckende Treppenhäuser.

Was hat Sie bei Ihrem ersten Besuch beeindruckt?

Die Hafenbarkassen, die in der Speicherstadt zum Greifen nah an den Gebäuden vorbeifahren sowie Ebbe und Flut, die in regelmäßigen Abständen das Wasser der Elbe flussauf- und flussabwärts durch die Fleete bewegen, haben mich sehr beeindruckt. Je nach Wasserstand entsteht eine ganz eigene Atmosphäre. Für einen kurzen Moment kommt das Wasser auch zum Stillstand – dann geht der Rhythmus der Gezeiten von neuem los.

Wie lerne ich den Ort am besten kennen?

An den Wochenenden bietet das Speicherstadtmuseum einen öffentlichen Speicherstadtrundgang mit Museumsführung an. Dort wird viel Wissenswertes und ein guter Gesamtüberblick vermittelt. Danach kann man dann einen Kaffee genießen und die Umgebung weiter erkunden.

Was sollte ich mir hier sonst noch ansehen?

Ist das Wetter gut, bieten sich Unternehmungen am und auf dem Wasser von Alster und Elbe an. Ein Gang durch den Alten Elbtunnel ermöglicht – auf der anderen Elbseite angekommen – einen Ausblick auf die Landungsbrücken und die Stadt. Hoch hinaus geht es auf einem der Kirchtürme. Die Sankt Michaelis Kirche, genannt Michel, bietet einen guten Blick auf das Welterbe. Sie können auch den Hochbunker in Wilhelmsburg besuchen. Von dort ist die Sicht auf den Hafen einzigartig. Ein Gang durch das Treppenviertel im Stadtteil Blankenese ist ein Erlebnis mit großartigen Ausblicken auf den Elbhang und die Elbe.

Welterbe macht hungrig. Welche regionale Spezialität sollte ich probieren?

Hamburger Aalsuppe, Pannfisch mit Bratkartoffeln oder ein Fischbrötchen. Dazu ein Alsterwasser, das ist Bier mit Limonade. Für Zwischendurch sind in fast jeder Bäckerei Franzbrötchen erhältlich, ein schmackhaftes Zimtgebäck, das eigentlich ein Croissant werden sollte, als Napoleons Truppen Hamburg erreichten. Ein schönes Beispiel, wie aus einem Missgeschick ein großer Erfolg werden kann.

Und welches Welterbe würden Sie gerne mal besuchen?

Jedes Welterbe hat seine eigene Faszination, da fällt eine Auswahl schwer. Ich möchte einmal durch die Kulturlandschaft Serra de Tramuntana auf Mallorca wandern. Dann möchte ich noch die archäologische Landschaft der ersten Kaffeeplantagen im Südosten Kubas besuchen. Das würde den Kreis zum Hamburger Welterbe wieder schließen.

Lydia Struck

ist in Hamburg geboren und somit eine echte „Hamburger Deern“. 1999 kam sie als Studentin zum Speicherstadtmuseum und bietet seither Rundgänge durch das Museum und die Speicherstadt an. Für ihre Magisterarbeit forschte sie zur Wahrnehmung eines städtischen Raumes am Beispiel der Hamburger Speicherstadt.

Seit 2008 ist sie Mitarbeiterin im Führungsteam des Speicherstadtmuseums und koordiniert Rundgänge durch das Welterbe.

 

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